verLIEBT II

Damit wars besiegelt – keiner brauchte etwas zu sagen: wir waren ein Paar…


Dieser Gedanke mit jemanden zusammen zu sein, war sehr schön und aufregend, denn eine Zeit lag vor mir, die mit vielen neuen Situationen verbunden war. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht und einem prickelnden Herzklopfen begann eine wunderschöne Beziehung, eine wunderschöne Freundschaft zwischen meinem damaligen Herzprinzen und mir.
Besonders aufregend war natürlich die erste Zeit als Paar: Wir beide waren in der Pubertät und waren dabei uns besser kennenzulernen. Und mit diesem Kennenlernen war es gar nicht so einfach, denn jeder möchte sich ja in einem guten Licht dastehen lassen, dem Gegenüber imponieren und gefallen. Und so purzelten die ein oder anderen unWahrheiten aus meinem verliebten Mund heraus:

Herzprinzessin: „Ja, Schatz, ich fahre sehr gerne Autoskooter!“
Herzkönig: „Super, dann können wir ja ein paar Runden drehen. Ich hol gleich mal ne Handvoll Chips!“

Herzprinzessin: „Wow…was für ein tolles Lied du da hörst…(NICHT)… und das klingt ja erst richtig gut auf VOLLER Lautstärke!“
Herzkönig: „Ja, das Lied ist der Oberhammer und warte… ich machs noch lauter, dann kommt der Bass erst so richtig raus!“

Aber zum Kennenlernen gehört nicht nur die Zweisamkeit, sondern auch die Gemeinschaft – die Freunde des jeweils anderen. Da wir auf die gleiche Schule gingen, kannten wir die Freunde bereits und weil auch alle sehr freundlich und offen waren, erweiterte sich der Freundeskreis einfach. Und so kam es, dass mein Herzkönig beim Tanzkurs alle zum Lachen brachte und die Pausen zum Highlight des Tages werden ließ. Doch wie es in der Schule so ist, gibt es immer mal ein paar „Freunde“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die Gerüchteküche zum Brodeln zu bringen und recht schnell lernten wir damit umzugehen.

Kennenlernen im Teenager-Alter: das hieß natürlich auch, dass wir jede freie Minute miteinander verbringen wollten und so mussten unsere Eltern auch ein Stück weit dran glauben, denn ein Treffen ohne Führerschein und ohne regelmäßigen Busfahrplan ist auf dem Land schier unmöglich. Und so kam es, dass die Terminpläne unserer Eltern nun nicht mehr nur mit Abholzeiten bei Freundinnen, Schulveranstaltungen und eigenen Terminen voll waren, sondern auch mit regelmäßigen Fahrplänen von Herzprinzessin zu Herzprinz und von Herzprinz zu Herzprinzessin.
„Thank you for travelling with the Parent-Taxi!“

Aber nicht nur das Auto wurde beansprucht, sondern auch das Telefon, denn obwohl man sich in den Pausen gesehen hatte, sich nachmittags getroffen hatte, so war doch der Bedarf da, abends nochmal schnell (manchmal auch nicht so schnell) miteinander zu telefonieren und eventuell einen Film gemeinsam anzusehen und die wichtigsten Fakten zu besprechen. Ganz zu schweigen vom abendlichen „Gute-Nacht-Sagen“. Und wenn das Telefon mal von den Eltern in Anspruch genommen wurde, so musste das prepaid-Handy mit seinem fast aufgebrauchten Guthaben herhalten oder das quietschige „Ohoh“ von ICQ.
Aber egal auf welchem Weg es auch war, unsere Leben verschmolzen miteinander. Wir lernten unsere Freunde und Familien kennen, lernten über Hobbies und Freizeitaktivitäten, erkannten Macken und Angewohnheiten und lernten nicht nur den Partner, sondern auch uns selbst ein bisschen besser kennen.
Welche lustigen unWahrheiten sind euren verliebten Mündern entfleucht?

Eure Axinja

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verLIEBT

Welches Mädchen träumt nicht von einem Traumprinzen, der auf einem weißen Schimmel daher geritten kommt, man sich tief in die Augen blickt, weiß, dass es Liebe ist und dieser besagte Traumprinz um die Hand anhält? Die Antwort: ich!

 
Ich fand diese märchenhafte Vorstellung zwar immer ganz nett, aber die vielen amerikanischen Filme haben mich doch eher dahingehend beeinflusst, dass ich erobert werden wollte. So habe ich mich immer in den verschiedensten Rollen gesehen und mir erträumt, wie mein Zukünftiger meinen Weg kreuzt:

 
Ich, eine starke und unabhängige junge Frau, die in einer hohen Karriereposition ist – so ganz a la „Der Teufel trägt Prada“, ich das Sagen habe und dann den Mann meines Lebens treffe. Mein Leben würde völlig durcheinander gebracht werden, aber auf eine schöne und wundervolle Art. Dennoch würde ich mit Hindernissen rechnen, denn sich einfach finden und lieben wäre ja langweilig. Ein bisschen Spannung und Liebeskummer gehören schließlich dazu.

 
Ein weiteres Szenario: Ich als chaotische Frau (trifft wohl auch im echten Leben zu), die gedankenverloren mit ihrem Hund durch die Stadt schlendert und mit ihrem Traumprinzen zusammenprallt, den ich zu Anfang gar nicht ausstehen kann, mich aber durch das ständige Wegkreuzen letztendlich doch verliebe und jeder ahnt, dass wir zusammengehören.

 
Man merkt: ich bin eine Traumtänzerin, die durch Julia Roberts, Jennifer Aniston, Becky Bloomwood oder ganz klassisch durch Doris Day inspiriert ist.
Aber so schön die Vorstellungen auch sind… ich lebe in der Realität und muss gestehen, dass diese auch gar nicht so schlecht aussieht 😉

 
Ich habe meinen Herzkönig zwar nicht am Strand oder in New York oder London (den Metropolen aller beginnenden Liebesgeschichten) kennengelernt, dafür aber bin ich ihm in der Tanzschule über die Füße gestolpert (nun ja…nicht wirklich gestolpert, eher grazil an ihm vorbei geschwebt….nicht). Vielleicht könnte man sagen, dass es mit einer Teenie-Komödie begonnen hat und sich zu einem Liebesfilm entwickelt hat.
Durch eine gemeinsame Freundin habe ich meinen Herzkönig kennengelernt. Wir haben uns sofort gut verstanden und haben viel miteinander gelacht. Zu diesem Zeitpunkt waren wir 14 Jahre alt – also noch nicht absehbar, dass er der Mann meines Lebens sein könnte. Innerhalb weniger Wochen haben wir uns näher kennengelernt, viele Abende lang telefoniert und gechattet (falls ICQ noch ein Begriff ist :D) und sich immer mal wieder getroffen – nicht in einem schicken Nobelrestaurant wie Big und Carry, dafür aber in einer Eisdiele oder am Badesee wie es Teenager eben machen. Kurz vor dem Tanz-Abschlussball sind wir dann zusammengekommen. Wir sind zusammen zu einer Kirmes gegangen, haben uns dort geneckt (denn wer sich neckt, der liebt sich): immer wieder hat er mir mein Haargummi, welches ich um den Arm trug, versucht zu klauen (aus welchen Gründen auch immer) und hat es dann geschafft, seine Hand auch durch das Haargummi zu stecken, sodass er meine Hand nehmen konnte und wir durch das Haargummi verbunden waren. Damit wars besiegelt – keiner brauchte etwas zu sagen: wir waren ein Paar.

 
Und seit diesem Moment sind wir zusammen durch viele verschiedene Phasen unseres Lebens gegangen: vom Schulabschluss bis hin zum gemeinsamen Hund, zur gemeinsamen Wohnung, zum gemeinsamen Leben, welches nach fast zehn Jahren in der Ehe mündete.

 
Und auch wenn die Realität manchmal nicht der Traumwelt entspricht, so kann man der Realität doch viel Magisches abgewinnen, wenn man nur genauer hinschaut. Und das tue ich, denn mein Herzkönig hat mich nicht auf einem weißen Schimmel erobert sondern hat mein Herz auf Inlinern und viel wichtiger in der Realität und nicht in der Fantasiewelt gewonnen.

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Eure Axinja